
Der Priester beugte sich vor und sagte dem Mann etwas ins Ohr. Die Augen des Managers weiteten sich, dann verbeugte er sich und wies auf einen kleinen Tisch an der Wand. Der Priester nickte seinen Dank und ging hinter dem Mann auf seinen Stuhl zu, während die Gäste in der Umgebung ihn mit Unbehagen zur Kenntnis nahmen.
Der Manager beugte sich zu ihm hinunter und sprach mit einer Ehrfurcht, die er nicht empfand: »Wünschen Sie eine Erfrischung, Heiliger?«
»Ziegenmilch, falls Sie zufällig welche haben sollten. Wenn nicht, ist mir gewöhnliches Wasser recht. Und ich danke Ihnen.«
»Es ist meinem Lokal eine Ehre«, sagte der Mann im Smoking und verbeugte sich. Im Weggehen versuchte er, den Dialekt des anderen einzuordnen; aber das war nicht wichtig. Dieser große Priester im weißen Umhang hatte Geschäfte mit dem Laoban, und das war alles, worauf es ankam. Er hatte tatsächlich den Namen des Laoban ausgesprochen, einen Namen, der auf der Goldenen Meile nur selten fiel. Und an diesem ganz besonderen Abend war der mächtige Taipan anwesend - in einem Raum, zu dessen Existenz er sich niemals öffentlich bekennen würde. Aber es war nicht Aufgabe des Managers, dem Laoban zu sagen, daß der Priester eingetroffen war; der Mann im weißen Gewand hatte daran keinen Zweifel gelassen. Alles sollte an diesem Abend in aller Stille geschehen, darauf hatte er bestanden. Wenn der erhabene Taipan ihn zu sehen wünschte, würde ein Mann herauskommen und ihn finden. So möge es sein; so pflegte es der geheimnisvolle
Laoban zu halten, einer der wohlhabendsten, berühmtesten Taipans in Hongkong.
»Laß einen Küchenjungen Ziegenmilch holen«, sagte der Manager unfreundlich zu einem herumstehenden Boy. »Und sag ihm, er soll sich beeilen. Die Existenz seiner stinkenden Nachkommen hängt davon ab.«
Der heilige Mann saß ausdruckslos am Tisch, und seine glühenden Augen wirkten jetzt sanfter, beobachteten das närrische Geschehen um ihn, allem Anschein nach ohne es zu verurteilen oder zu akzeptieren; einfach mit dem Mitgefühl eines Vaters, der seine vom Wege abgekommenen und doch ihm lieben Kinder betrachtet.
