Drei Minuten später wurde das Geräusch des Außenbordmotors leiser, als das Boot langsam an zwei heruntergekommenen Leichtern vorbeiglitt, die am Pier vertäut waren, und schließlich eine freie Stelle an der Westseite von Tsim Sha Tsui ansteuerte, Kowloons Hafenviertel. Die Scharen von Händlern, die ihre nächtlichen Fallen für die Touristen aufstellten, achteten nicht weiter auf den Neuankömmling; schließlich war das nur ein weiterer Jigi, der vom Fischen hereinkam.

Und dann begann es in den Buden ebenso ruhig zu werden wie zuvor bei den Bootsleuten in Aberdeen. Erregte Stimmen wurden leiser, und die Blicke wandten sich der Gestalt zu, die über eine schwarze, ölverschmierte Leiter zum Pier hinaufstieg.

Er war ein heiliger Mann. Seine schlanke Gestalt war in einen schneeweißen Kaftan gehüllt - er war sehr groß für einen Zhongguo ren, einen Meter achtzig vielleicht. Von seinem Gesicht freilich war nur wenig zu sehen, da die leichte Abendbrise den weißen Stoff über seine dunklen Züge flattern ließ, so daß man nur das Weiße seiner Augen sehen konnte -entschlossene Augen, Augen eines Eiferers; dies war kein gewöhnlicher Priester, das konnte jeder erkennen: er war ein Heshang, ein Auserwählter, den die weisen Ältesten ausgesucht hatten, die, die schon in einem jungen Mönch erkennen konnten, ob er zu Höherem bestimmt war. Und wenn ein solcher Mönch groß und schlank war und Augen hatte, in denen das Feuer loderte, war das gerade recht. Solche heiligen Männer zogen Aufmerksamkeit auf sich, auf ihre Persönlichkeit, auf ihre Augen, und das führte zu großzügigen Spenden, aus Angst ebenso wie aus Ehrfurcht; vorwiegend aber aus Angst.

Vielleicht kam dieser Heshang von einer der mystischen Sekten, die durch die Berge und Wälder des Guangze wanderten, oder von einer religiösen Bruderschaft in den Bergen des weit entfernten Qing Gaoyuan - den Abkömmlingen, wie es hieß, eines Stammes im fernen Himalaja.



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